Regen. Und plötzlich hat die Stadt geschlossen.

Ich mag Bern. Die Altstadt, die Aare, die vielen kleinen Gassen, die Plätze und die Möglichkeiten, spontan etwas zu unternehmen. Gerade im Sommer ist die Stadt ein einziger grosser Spielplatz für Erwachsene. Mit etwas weniger Rutschen und etwas mehr Aperol Spritz.

Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes. Etwas, womit in der Schweiz offenbar niemand rechnen konnte.

Es regnet.

Und plötzlich habe ich das Gefühl, meine Stadt hätte geschlossen.

Museum, Kino oder Kaffee. Sonst noch was?

Bin ich der einzige, der das denkt? Es ist Wochenende, man möchte etwas unternehmen, schaut aus dem Fenster und sieht graue Wolken und Regen. Also überlegt man, was man stattdessen machen könnte.

Google hilft natürlich gerne: «Die besten Schlechtwetter-Aktivitäten in Bern».

Und die Antwort? Museen, Kinos, Cafés. Vielleicht noch ein Escape Room oder Bowling, wenn es besonders ausgefallen werden soll.

Nicht falsch verstehen: Ich mag Museen. Ich liebe das Kino. Und gegen ein gutes Spassgetränk in einer Bar habe ich sowieso nichts einzuwenden. Aber ich möchte nicht jedes Mal, wenn es regnet, meine kulturelle Bildung erweitern oder meinen Getränkehaushalt auf ein medizinisch interessantes Niveau bringen.

Was macht man denn sonst?

Interessanterweise stellt sich mir diese Frage vor allem zu Hause. Wenn ich auf einer Städtereise bin, gehe ich bei Regen durchaus in ein Museum. Schliesslich gibt es dort etwas Neues zu entdecken. Wobei mich auch dann der Gedanke begleitet: «Sh*t, wieso muss es ausgerechnet jetzt regnen?»

Aber zu Hause? Da reizt mich dasselbe Angebot plötzlich viel weniger.

Eigentlich ist das völliger Blödsinn

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger verstehe ich mein eigenes Problem.

Denn objektiv betrachtet verschwinden bei Regen ja keine Angebote. Das Kino hat noch immer geöffnet, die Restaurants sind noch da und auch die Bowlingbahn wird nicht plötzlich abgebaut, nur weil es draussen nieselt.

Warum also habe ich das Gefühl, es gäbe nichts mehr zu tun?

Vielleicht liegt es daran, dass viele der schönsten Dinge in einer Stadt gar keine klassischen Freizeitangebote sind.

Bei schönem Wetter brauche ich keinen Plan. Ich kann durch die Stadt schlendern, mich irgendwo hinsetzen, Freund:innen treffen, Menschen beobachten oder spontan entscheiden, wohin es als Nächstes geht.

Die Stadt selbst ist die Beschäftigung.

Bei Regen scheint genau diese Spontanität verloren zu gehen. Plötzlich braucht es einen Plan, eine Reservation oder zumindest eine konkrete Idee. Und aus einem gemütlichen Nachmittag wird eine kleine Organisationsaufgabe.

Vielleicht fehlt es also nicht an Angeboten, sondern an Möglichkeiten, die sich auch bei schlechtem Wetter nach Stadtleben anfühlen.

Sechs Kilometer Regenschirm. Merci, Bern!

Dabei muss ich meiner Heimatstadt ein grosses Kompliment machen.

Bern hat etwas, das ich in anderen Städten regelmässig vermisse: die Lauben. Rund sechs Kilometer überdachte Arkadengänge, dank denen man durch einen grossen Teil der Altstadt spazieren kann, ohne nass zu werden.

Genial eigentlich.

Und dann wäre da noch der Baldachin am Bahnhof. Dieses riesige Glasdach, das uns davor bewahrt, beim Warten aufs Tram unfreiwillig zu duschen.

Umso erstaunter war ich, als ich erfuhr, dass im Rahmen der langfristigen Neugestaltung des Bahnhofplatzes auch ein Rückbau des heutigen Baldachins vorgesehen ist. Immerhin soll er ersetzt und der Wetterschutz sichergestellt werden.

Zum Glück. Denn bei aller Liebe zu schöner Architektur: Ich möchte nicht nass werden, wenn ich auf mein Tram warte. Ist das zu viel verlangt?

Bern zeigt jedenfalls, dass man öffentliche Räume durchaus so gestalten kann, dass sie auch bei Regen funktionieren.

Aber gilt das auch für unsere Freizeit?

Sind unsere Städte einfach zu schönwetterverliebt?

Ich frage mich, ob wir Städte nicht häufig zu sehr aus der Perspektive eines sonnigen Samstagnachmittags betrachten.

Wir schwärmen von belebten Plätzen, schönen Parks, gemütlichen Terrassen und Spazierwegen entlang des Wassers. All das macht eine Stadt attraktiv.

Aber was ist mit den anderen Tagen?

Luzern kommt mir dabei beispielsweise in den Sinn. Eine schöne Stadt, gerade mit dem See und der Umgebung. Aber sobald es regnet, verliert für mich vieles von dem, was die Stadt besonders macht, seinen Reiz. Dabei wäre gerade Luzern mit der Kapellbrücke und seinen überdachten Bereichen eigentlich kein schlechtes Beispiel für wettergeschützte Stadträume.

Vielleicht sind aber auch einfach meine Erwartungen falsch.

Muss eine Stadt überhaupt bei jedem Wetter gleich attraktiv sein? Oder sollten wir uns vielmehr überlegen, wie wir das öffentliche Leben weniger vom Wetter abhängig machen können?

Ich denke dabei nicht unbedingt an noch mehr Einkaufszentren oder Indoor-Spielplätze. Eher an Orte, an denen man sich gerne aufhält, auch wenn draussen die Welt untergeht.

Überdachte Begegnungsorte, lebendige Innenräume, öffentliche Treffpunkte oder Veranstaltungen, die nicht sofort ins Wasser fallen, sobald das Wetter nicht mitspielt.

Und vielleicht gibt es solche Angebote längst. Vielleicht kenne ich sie einfach nicht. Was wiederum die Frage aufwirft, weshalb sie mir nicht bekannt sind.

Vielleicht liegt es am Ende auch einfach an mir

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass ich gar nicht genau sagen kann, was mir eigentlich fehlt.

Ich weiss nur, dass sich die Möglichkeiten bei Regen plötzlich kleiner anfühlen.

Vielleicht müsste ich meine eigene Stadt einfach öfter mit den Augen von Tourist:innen betrachten. Orte besuchen, an denen ich noch nie war, neue Angebote ausprobieren und nicht automatisch davon ausgehen, dass ich in Bern schon alles kenne.

Vielleicht müssten Städte aber auch stärker darüber nachdenken, wie sie das Leben bei schlechtem Wetter attraktiv gestalten.

Wahrscheinlich liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

Was ich jedenfalls weiss: Ich möchte nicht jedes Mal, wenn es regnet, das Gefühl haben, mich zwischen einem Museumsbesuch und meinem Sofa entscheiden zu müssen.

Denn eine Stadt sollte doch mehr sein als ihre Schönwetterversion.

Und jetzt würde mich interessieren: Was machst du eigentlich in deiner Stadt, wenn es regnet? Hast du Geheimtipps, auf die ich bisher einfach nicht gekommen bin?

Bitte sag jetzt nicht Museum.

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Ich wäre ein hervorragender Hoteltester. Glaube ich.

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Ich habe keine Zeit. Aber offenbar noch Platz im Kalender.