Ich habe keine Zeit. Aber offenbar noch Platz im Kalender.

Ich habe viel zu tun. Eigentlich sogar ziemlich viel. Mein Kalender sieht manchmal aus wie ein missglücktes Tetris-Spiel und meine To-do-Liste könnte vermutlich selbst eine Teilzeitstelle besetzen.

Und was mache ich dagegen? Ich starte einen Blog.

Logisch, oder?

Es gibt Menschen, die sehen einen freien Abend im Kalender und denken sich: «Schön, endlich einmal nichts tun.» Und dann gibt es Menschen, die sich überlegen, welches neue Projekt man in diesen freien Abend hineinzwängen könnte.

Ich gehöre ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie. Und manchmal frage ich mich selbst, weshalb eigentlich.

Kann man zu viele Interessen haben?

Ich interessiere mich für vieles. Vielleicht für zu vieles. Politik, Gesellschaft, Kommunikation, Reisen, neue Ideen, spannende Menschen und ungefähr 37 andere Dinge, die mir gerade nicht einfallen.

Das Problem dabei: Ich finde nicht nur vieles interessant. Ich möchte am liebsten auch gleich etwas damit machen.

Aus einer Idee wird schnell ein Projekt, aus einem Gespräch eine neue Aufgabe und aus einem spontanen Gedanken eine weitere Verpflichtung. Manchmal frage ich mich, ob mein Gehirn den Unterschied zwischen «Das wäre noch spannend» und «Das muss ich unbedingt machen» überhaupt kennt.

Und so passiert es, dass ich zwischen all den Dingen, die ohnehin schon anstehen, plötzlich noch einen Flug buche, ein neues Vorhaben starte oder eben beschliesse, meine Gedanken künftig öffentlich ins Internet zu stellen. Als gäbe es dort nicht bereits genügend davon.

Vielleicht ist es Neugier. Vielleicht die Freude daran, etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht aber auch die Angst, etwas zu verpassen. Wahrscheinlich eine ziemlich wilde Mischung aus allem.

Begeisterung hat leider kein eingebautes Zeitmanagement

Was ich an mir beobachte: Wenn mich etwas begeistert, finde ich erstaunlich schnell Zeit dafür.

Dann ist plötzlich vieles möglich. Der Kalender wird umgestellt, andere Aufgaben werden verschoben und irgendwo zwischen zwei Terminen entsteht ein Zeitfenster, das vorher offenbar nicht existiert hat.

Das klingt jetzt nach einem dieser motivierenden LinkedIn-Beiträge, die mit «Wir alle haben dieselben 24 Stunden» enden. Keine Angst. So schlimm wird es nicht.

Denn diese zusätzlichen Stunden gibt es natürlich nicht. Wenn ich Zeit für etwas Neues finde, fehlt sie irgendwo anders. Manchmal beim Schlafen, manchmal bei der Erholung und manchmal bei Dingen, die ich eigentlich längst hätte erledigen sollen.

Und trotzdem tue ich es immer wieder.

Vielleicht, weil mir diese neuen Dinge auch Energie geben. Weil ich es schön finde, etwas gestalten zu können, Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Oder weil ich manchmal lieber etwas Neues anfange, als eine alte Aufgabe fertigzumachen. Letzteres ist zwar weniger romantisch, aber vermutlich auch nicht ganz falsch.

Und dann kommt das grosse «Wieso eigentlich?»

Natürlich ist nicht jede meiner Ideen ein Geniestreich. Manche Projekte begeistern mich monatelang, andere nur wenige Wochen. Und manchmal sitze ich irgendwann da, schaue auf meinen Kalender und frage mich: «Wieso genau musste ich das jetzt auch noch machen?»

Es gibt Dinge, die ich anfange und nie fertigstelle. Ideen, die plötzlich nicht mehr so spannend sind. Verpflichtungen, bei denen ich irgendwann merke, dass der Aufwand grösser ist als die ursprüngliche Begeisterung.

Früher oder später kommt dann der Moment, in dem ich entscheiden muss, ob ich weitermache oder etwas wieder aufgebe.

Das ist nicht immer einfach. Schliesslich habe ich mich ja einmal bewusst dafür entschieden. Und irgendwie fühlt es sich manchmal wie ein Scheitern an, etwas nicht zu Ende zu bringen.

Dabei frage ich mich: Muss eigentlich jede Idee zu einem langfristigen Projekt werden? Darf man etwas nicht einfach ausprobieren und irgendwann feststellen, dass es doch nichts für einen ist?

Natürlich sollte man seine Verpflichtungen ernst nehmen, besonders wenn andere Menschen davon abhängig sind. Aber nicht jede spontane Idee muss zu einer Lebensaufgabe werden.

Manchmal reicht es vielleicht auch, etwas gemacht, etwas gelernt und dann wieder Platz für Neues geschaffen zu haben.

Vielleicht bin ich einfach nicht besonders gut im Nichtstun

Ich glaube, dahinter steckt noch etwas anderes. Ich mag es, beschäftigt zu sein.

Nicht unbedingt im Sinne von Stress. Vielmehr mag ich das Gefühl, dass etwas passiert. Dass ich Neues lerne, irgendwo mitwirke oder etwas vorwärtsbringe.

Und trotzdem frage ich mich manchmal, ob ich überhaupt noch richtig nichts tun kann. Also wirklich nichts. Ohne dabei schon die nächste Reise zu planen, eine neue Idee zu entwickeln oder zumindest gedanklich die kommende Woche durchzuorganisieren.

Vielleicht fällt es mir schwer, einen freien Moment einfach als freien Moment stehen zu lassen.

Das ist einerseits schön, weil dadurch unglaublich viele spannende Dinge entstehen. Andererseits ist es vermutlich auch ziemlich anstrengend. Nicht nur für mich, sondern gelegentlich auch für die Menschen, die sich meine neuesten Ideen anhören müssen (Grüsse gehen raus).

Muss eigentlich immer alles einen Sinn ergeben?

Vielleicht ist das die Frage, die mich am meisten beschäftigt.

Muss jede Erfahrung einen konkreten Nutzen haben? Muss jedes Projekt erfolgreich werden? Und muss ich im Voraus wissen, weshalb ich etwas mache?

Eigentlich finde ich nicht.

Manche der besten Erfahrungen entstehen, weil man spontan Ja sagt, ohne genau zu wissen, worauf man sich einlässt. Manche Ideen führen zu etwas Grossem, andere zu einer lustigen Geschichte. Und einige waren im Nachhinein vielleicht einfach unnötig. Auch das gehört dazu.

Ich möchte mir diese Neugier eigentlich bewahren. Gleichzeitig wäre es vermutlich nicht verkehrt, gelegentlich etwas genauer zu überlegen, ob eine neue Idee wirklich noch Platz in meinem Leben hat. Und zwar nicht nur im Kalender.

Ob mir das gelingt? Wir werden sehen.

Bis dahin schreibe ich diesen Blog. Wieso genau ich das auch noch anfangen musste, weiss ich vielleicht in ein paar Monaten.

Und falls hier einmal keine neuen Beiträge mehr erscheinen, wisst ihr zumindest, woran es liegen könnte.

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